Hallo!
Also, nachdem ich nun alle fünf Kurse bei Monika Brossard durch habe und grad eben den Diplom-Kurs mach, dachte ich mir, ich könnte hier eigentlich meine Erfahrungen einstellen.
Das ganze ist ein Kurzbericht zu meinen subjektiven Erfahrungen während der Weiterbildung zum Heilpädagogischen Begleiten mit dem Pferd.
Viel Spaß beim Lesen:
Kurs I (im April 2006)
Die Lebenshilfe bietet in Kooperation mit den Landesveränden Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz die berufsbegleitende Weiterbildung zur
tiergestützten Arbeit
Heilpädagogisches Begleiten mit dem Pferd
an.
Wie schon erwähnt, handelt es sich nicht um eine Berufsausbildung, sondern um eine Weiterbildung.
Das Ziel der Weiterbildung:
Nach erfolgreicher Teilnahme (dazu gehören auch Lehrproben, Vorführung einer Diareihe u.ä. ) wird ein Zertifikat ausgestellt. Dies bescheinigt dem Teilnehmer die Qualifikation für die selbständige und eigenverantwortliche Durchführung des HBP.
Die Grundlagen für das Zertifikat sind:
Teilnahme an der gesamten Lehrgangsreihe
Bearbeitung der praktischen Aufgaben im eigenen Arbeitsumfeld und Erstellung einer Falldokumentation.
Präsentation der Fallarbeit
Vorbereitung und Durchführung einer Lehrprobe
Zulassungsvoraussetzungen:
Abgeschlossene päd. Ausbildung (Erzieher, Heilerziehungspfleger, Dipl.- Soz.Päd., Heilpädagogen....) und eine mindestens zweijährige Praxis in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung oder psych. Beeinträchtigung.
Vor Beginn der Lehrgangsreihe ist vom Teilnehmer ein Basispass Pferdekunde vorzulegen.
Reiterliche Fahigkeiten werden nicht vorausgesetzt. Vorkenntnisse im Umgang mit Pferden sind jedoch erwünscht.
Die Pferde werden auch gesondert ausgebildet. Darum wird in den ersten Blöcken viel spezielle Bodenarbeit mit den Pferden gelehrt.
Dass ein Pferd mit heilp. Ausbildung charakterlich geeignet sein muss, versteht sich von selber. So müssen diese Pferde z.B. absolut stillstehen, wenn ein z.B. spastisch gelähmter Mensch sich von der Rampe aus auf´s Pferd hangelt.
Man kann sich vorstellen, was passieren würde, wenn diese Pferd einen Schritt zur Seite weicht.
Die Weiterbildung erstreckt sich über einen Zeitraum von zwei Jahren. In diesen zwei Jahren werden die Lehrgänge in fünf Blöcken angeboten. Lehrgangsort für Bayern ist Oberneufnach bei Mindelheim.
Pro Block werden zwischen 400.- und 500.- Euro (mit Verpflegung während des Kurses) berechnet.
Nähere Informationen gibt es da:
Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e.V.
Landeverband Bayern
Kitzinger Str. 6
91056 Erlangen
Tel: 09131/754610
www.lebenshilfe-bayern.de
fortbildung@lebenshilfe-bayern.de
Landesverband Baden-Württemberg
Jägerstrasse 12
70174 Stuttgart
Tel: 0711/255890
www.lebenshilfe-bw.de
info@lebenshilfe-bw.de
Landesverband Rheinland-Pfalz
Drechselweg 25
55128 Mainz
Tel: 06131/9366016/-15/-36
www.lebenshilfe-rlp.de
info@lebenshilfe-rlp.de
Bei Fragen und Anregungen steh ich immer gern zur Verfügung!
Während des Kurses lernten wir hauptsächlich nonverbale Bodenarbeit.
Longenarbeit und Führen von Parcourse auf Schulterhöhe des Pferdes waren der Hauptbestandteil.
"Nebenbei" lief aber sehr viel in mir selber dabei ab. Denn ich lernte hier gespiegelt durch das Pferd sehr viel von mir selber kennen, das ich bisher so nicht kannte.
Da der Bericht auch schon in einem anderen Forum steht, hier eine Antwort zu diesem Kurs an eine Userin:
Die Isis waren sehr menschenbezogen und hatten ein ganz tiefes Vertrauen. Wenn man zu denen auf´s Padock kommt, dann spürt man in denen eine absolut gesetzte Ruhe. Verstehst? Natürlich gibt es unter den Herdenmitgliedern Bosse und solche die es gerne wären... und Rangeleien. Aber nie, wenn wir dabei waren.
Ich hab Monika gefragt, wie sie das gemacht hat. Sie sagte, sie hat gar nix gemacht. Und als wär es das Natürlichste auf der Welt meinte sie, warum sollten die nicht so sein. Die erwarten ja nix böses. Haben ja noch nie was böses erlebt.
Monika ist sehr, sehr konsequent. Setzt die Pferde aber dabei nie unter Druck. Das ist schwer zu erklären. Sie hat einfach das perfekte Timing raus.
Also: Ein Pony beim Longieren wollte sich nicht antreiben lassen. Nach dem zweiten deutlichen Treiben half dann ganz deutlich die Longiergerte nach - aber sofort augenblicklich war der Druck seitens Monika wieder weggenommen. Und das Pferd lief ohne Schwierigkeiten. An der Longe von Kursteilnehmern merkte man, dass da unbewußt Druck ausgeübt wurde. Sie wollten dominant sein, waren aber für das Pferd beängstigens. Bei den Kursteilnehmern machte es Spirenzchen - denn es kann keinen Druck aushalten... verstehst? Bei Monika spürte es ihre Dominanz ohne Druck. Es fühlte sich sehr gut aufgehoben. Bei Fehlverhalten seitens des Pferdes donnert es zwar, aber fast augenblicklich ist von Monika wieder dies Wertschätzung des Pferdes spürbar. Und dieses: Bei mir darfst Du Dich sicher fühlen. Ist schwer erklärbar das ganze.
Das war also der Fall: Das Pferd läuft vor einem davon. Es spürte zu viel Druck. Ohne dass es den Leuten bewußt war. Das ist alles.
Wenn Du so einen Fall hast, dann glaub ich ist das evt. auch eine mentale Geschichte. Vielleicht möchte der Longenführer unbewußt zu sehr der Chef sein. Und denkt: "Wieso hört der Gaul denn nur nicht auf mich... "
Whiskey ist auch so ein davonläufer. Monika meinte, sie würde mal jemanden bitten, ihn von außen einfach nur zwei oder drei Runden zu führen. Also mit mir samt der Longe in der Mitte. Nur damit das Pferd lernt, es passiert ihm nix böses und es darf gehen.
Der Körpereinsatz:
An und für sich ist es das ganz normale "hinten Treiben, vorne Hindern oder Bremsen".
Wir standen parallel zu den Pferden. Was weg fiel war das Treiben mit der Gerte. Das Pferd ist optisch zwischen Gerte und Longe in einem Dreieck eingespannt. Aber die Gerte macht gar nix. Sie kommt nur im äußersten Notfall zum Einsatz. Der Bauch des Longenführers ist zum Bauch des Pferdes gewandt.
Um eine Gangart höher zu schalten, wird ein Schritt auf die Hinterhand, bzw. von hinten an Pferd gemacht.
Um langsamer werden zu lassen, wird einfach Bauch zu Pferd Parallel mit dem Pferd Richtung Schulter (oder bis hin zum Kopf - je nach Pferd) gegangen.
Verstehst? Also ich steh in der Mitte, Pferd läuft um mich. Um es vom Trab zum Schritt zu bringen, geh ich einfach etwas vor´s Pferd. Aber immer Bauch an Bauch/Schulter/Hals - je nach dem, bis das Pferd reagiert.
Um es zum Halt zu bringen, deutlich die Schulter zum Pferd drehen (also den ganzen Körper) und zwar vor dem Pferd.
Also, wenn ich in der Mitte stehe und möchte, dass das Pferd stehen bleibt, dann such ich mir einen Punkt vor dem Pferd und dreh mich mit einem Ruck nach (auf der Linken Hand) rechts. So, als würd ich dem Pferd den Weg abschneiden. Nur dass ich eben in der Mitte stehe.
Wenn ein Pferd gar nicht auf diese Körpersprache reagiert, kann man auch soweit gehen, dass man ihm mal direkt vor´s Gesicht hopst.
Wichtig ist, dass man/frau nicht versehentlich den Oberkörper in "Fahrrichtung" dreht. Denn das wirkt treibend.
Verstehst??
Das ganze erfordert deutliches Körperbewußtsein. Es hört sich so selbstverständlich an. Und so alltäglich. Zuerst dachte ich auch: Na und?? Das mach ich doch immer...
Von wegen.... Als ich dann dran war, merkte ich erst, wie mein Körper Bände spricht, ohne dass ich es merk. Denn diese Pferde sind einfach sehr fein für diese Sprache.
Was bei mir auch ein wenig umdenken bewirkt hat, war eine etwas veränderte Betrachtungsweise. Ich dachte immer, ich müsse das Pferd sofort nach brav gemachter Arbeit loben.
Monika sagt, warum denn immer gleich loben? Es ist von dem Pferd eine Selbstverständlichkeit, dass es tut, was der Boss verlangt. Kein Herdenchef(-Pferd) der Welt lobt seine Herde, wenn sie brav mit ihm mitgeht. Es ist einfach selbstverständlich.
Wenn ein Mensch sein Pferd lobt, lobt er eigentlich sich selber. Denn wenn das Pferd richtig reagiert, dann hat der Mensch richtig agiert. Also - das Pferd wird immer tun, was der Mensch von ihm verlangt. Vorausgesetzt, der Mensch ist in seiner Körpersprache und in seinem Wollen eindeutig!! Man/Frau muss sich mehr auf sich selber konzentrieren, dann klappt auch die Reaktion des Pferdes. Weist was ich mein?
Dann, nach der Arbeit kann das Pferd gestreichelt und beschmust werden. Man/Frau darf auch gern mit Wörtern und Beschmusen seinem Pferd danken.
Aber immer mit dem Bewußtsein, das Pferd reagiert nie richtig oder falsch. Es macht immer nur, was der Mensch ihm vorgibt. Es hat kein Bewußtsein von: DAS hab ich gut gemacht. Oder DAS hab ich falsch gemacht. Es macht, was der Mensch (manchmal auch unbewußt) will oder eben einfach gestattet. Wenn ein Pferd bei der Arbeit unkonzentriert ist, dann gestattet es der Mensch (wohl auch manchmal ohne sich dessen bewußt zu sein).