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Therapeutisches Reiten - Reittherapie

Forum zum Thema "Heilpädagogisches Reiten" für Menschen mit psychischen Erkrankungen und Verhaltensauffälligkeiten, Therapeutisches Reiten für Behinderte.
 
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Reittherapie
Heilpädagogisches Begleiten mit dem Pferd - Claudia Altmann.
Mit allen Sinnen ganzheitliches Erleben der Faszination Pferd.

 
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 Betreff des Beitrags: weiter geht´s : das Pferd
BeitragVerfasst: 06. Dez 2006, 14:48:47 
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Registriert: 05. Dez 2006, 15:16:16
Beiträge: 12
Hallo,

meine nächsten Fragen zielen auf das Pferd ab.

Ich habe mich jetzt ziemlich durchgelesen und stelle fest, dass verschiedenste Pferdetypen von euch für die Therapie genutzt werden.

Da ich gerade meine Examensarbeit zu diesem Thema geschrieben habe, habe ich in der Fachliteratur immer wieder folgende Anforderungen an das richtige Therapiepferd gelesen:

-Rechteckpferd, kein Quadradpferd (Baroktyp)

- Mittelgroß, keine Ponys (zu unangenehme Schrittbewegung für ungeübte Reiter bzw. körperlich Eingeschränkte), keine größeren Pferde (schlecht Hilfestellung möglich, da Pferderücken zu hoch), ebenfalls keine perfekte Schrittbewegung

- Keine schlanken Pferde und Großponys für Spastiker

- keine Isländer, zu unangenehm Trabbewegungen

Wie seht ihr das? Warum nehmt ihr andere Typen? Was spricht für, was gegen diese Eingrenzung?

Mal ganz provokativ gefragt: Nehmt ihr einfach der Einfachheit halber das schon vorhandene Pferd und bildet es aus , unabhängig von den vorgegebenen Richtlinien?
Viele Grüße
Julia


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 Betreff des Beitrags: Meiner Meinung nach...
BeitragVerfasst: 06. Dez 2006, 16:39:12 
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Registriert: 26. Nov 2006, 17:47:33
Beiträge: 2
Hallo Julia,

ich kann zwar leider auch noch nicht auf praktische Erfahrungen im therapeutischen Reiten zurückgreifen, habe aber schon viel Pferdeerfahrung, daher geb ich jetzt einfach mal meinen Senf dazu :lol:
Ich reite vor allem auf Isländern und habe auch vor, nach meiner Ausbildung Islandpferde für die Therapie einzusetzen. Dafür gibt es vielerlei Gründe:
Die meisten Isis sind
- freundlich, geduldig, gelehrig,
- nervenstark und ausgeglichen,
- von der Größe optimal für Reiter und Begleiter,
- von der Statur kräftig genug für leichte bis mittelschwere Reiter (man sagt bis 80Kilo, wobei man auch wieder individuell entscheiden muss, es gibt ja auch zierliche Isis),
- bequem, was die Rückenbreite angeht,
- von den Gängen geeignet (da gibt´s natürlich Unterschiede),
- robust (also nicht übermäßig krankheitsanfällig),
und für Offenstall und Herden-Haltung sehr gut geeignet.
Diese Kriterien treffen natürlich auch auf andere Rassen zu, ein Nachteil der Isis ist der relativ hohe Anschaffungspreis...
Dass sie aufgrund ihres Trabs nicht geeignet sind halte ich für nicht zutreffend. Ich bin auch schon viele andere Rassen geritten und habe den Trab der Isis pauschal gesehen nicht als unangenehmer empfunden.
Ich lasse mich gerne von erfahrenen Therapeuten eines besseren belehren...
Grundsätzlich denke ich auch, dass die Pferde nicht zu klein und nicht zu groß sein sollten, wichtiger aber als die Größe ist der Charakter und die Ausbildung des Pferdes. Die Gänge spielen natürlich auch eine Rolle, ein Pferd, welches ständig die Gangart wechselt (was bes. bei Isis vorkommen kann), oder extreme Bewegung hat (den Reiter -insb. den unerfahrenen- also ständig herumschleudert) ist weniger bis gar nicht geeignet. Wo hast du die Infos her, interessiert mich auch sehr!
Wenn du deine Examensarbeit fertig hast, würde ich mich über ein Exemplar freuen, das Thema ist spitze! Habe selbst gerade das 1. Staatsexamen für LA Primarstufe hinter mir :shock: und hätte mir so ein Thema sehnlichst gewünscht!
Liebe Grüße, Carola

Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum!


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 Betreff des Beitrags: Re: weiter geht´s : das Pferd
BeitragVerfasst: 07. Dez 2006, 09:04:35 
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Registriert: 11. Jan 2006, 20:26:53
Beiträge: 254
Wohnort: Siegen
Klee hat geschrieben:
-Rechteckpferd, kein Quadradpferd (Baroktyp)


Das macht Sinn, wenn man, z.B. in der Hippotherapie, ein Pferd mit Schwung im Rücken benötigt, oder zu zweit Platz auf dem Pferd braucht. Quadratpferde eigen sich häufig eher als Gewichtsträger und manchmal sind etwas flachere Gänge auch erstmal besser für den Klienten.

Klee hat geschrieben:
- Mittelgroß, keine Ponys (zu unangenehme Schrittbewegung für ungeübte Reiter bzw. körperlich Eingeschränkte), keine größeren Pferde (schlecht Hilfestellung möglich, da Pferderücken zu hoch), ebenfalls keine perfekte Schrittbewegung


Auch hier gilt: es kommt darauf an. Kleine Ponys sind z.B. für kleine Kinder zur Beziehungsaufnahme sehr gut (auf Augenhöhe), wenn da der Schwerpunkt liegt, braucht man sie unbedingt. Ebenso können sehr große Pferde bei der Förderung des Selbstbewußtseins gute Dienste leisten.

Klee hat geschrieben:
- Keine schlanken Pferde und Großponys für Spastiker


Manche Spastiker können zu Beginn der RT die Beine noch nicht weit genug für ein breites Pferd aufspreizen, muss abgewägt werden.

Klee hat geschrieben:
- keine Isländer, zu unangenehm Trabbewegungen


Kommt sehr auf den Isi an! Eine bei uns trabt toll, der andere ganz flach und erschütterungsfrei. Aussdem gibt es auch Menschen mit Wahrnehmungsstörungen, die sich gezielt heftige Reize suchen, um ihren Körper spüren zu können. Hier leistet ein Pferd mit intensiver Bewegungsqualität viel Nützliches!

Klee hat geschrieben:
Wie seht ihr das? Warum nehmt ihr andere Typen? Was spricht für, was gegen diese Eingrenzung?


Ich denke, man braucht möglichst viele unterschiedliche Pferdetypen (sowohl vom Exterieur, als auch vom Interieur), um vielen unterschiedlichen Klienten gerecht werden zu können. Meine Schüler sind zwischen 4 und 55 Jahren alt und haben viele unterschiedliche Bedürfnisse, die ich nur durch eine große Bandbreite an Pferden abdecken kann. Das von Dir oben beschriebene "Idealpferd" kann viele Bedürfnisse abdecken und ist daher wirtschaftlich auch sinnvoll anzuschaffen. Nur ein riesengrosses Tier wäre vermutlich sehr unpraktisch

Klee hat geschrieben:
Mal ganz provokativ gefragt: Nehmt ihr einfach der Einfachheit halber das schon vorhandene Pferd und bildet es aus , unabhängig von den vorgegebenen Richtlinien?
Viele Grüße
Julia


Bei meinem ersten Pferd war es so. Da habe ich mein erstes Reitpferd ausgebildet und eingesetzt. Da er viele Bereiche hatte, die er nicht abdecken konnte, habe ich im Anschluss nach und nach Pferde dazu genommen, die mir gerade fehlten. Da spielten Größe, Farbe, Geschlecht, Körperbau, Interieur jeweils unterschiedliche Rollen.


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 07. Dez 2006, 20:18:05 
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Registriert: 05. Dez 2006, 15:16:16
Beiträge: 12
Hallo ihr Beiden,

vielen Dank für eure Antworten.

Caro, du hast sicherlich recht, dass Isländer sich durch ihre robuste Art gut für die Offenstallhaltung anbieten und mit ihrem ausgeglichenen Charakter auch gut zur Therapie eignen. Ich selbst kenne nur recht unruhige Isi-Traber, aber das heisst ja nichts.
Von der Größe her sind sie natürlich top. Aber wie du schon sagst, Gewichtträger sind sie meist nicht. Wenn meine Arbeit abgesegnet ist (zur Zeit bin ich noch dabei, muss sie in zwei Wochen abgeben), werde ich sie dir gerne senden, melde mich dazu noch mal. Mit dem Thema hatte ich wirklich Glück und einen netten Prof;-)

Stef, vielen Dank für das nähere Ausführen, hat mir sehr geholfen. Ich finde deine Gedanken zu den verschiedenen Gefühlen, die verschiedene Pferdetypen auslösen können, sehr interessant. Schließlich kann ich mir da an die eigene Nase fassen. Ein noch so nettes Pferd muss mir auch vom Typ her gefallen. Ich las auch mal, dass etwa Mädchen, die Opfer sexueller Gewalt wurden oder Musliminnen sind, einer Stute mehr trauen als einem Wallach. Und sicherlich gibt es da auch Vorlieben von Größe und Farbe. Mein Pferd konnte als Kind nicht groß genug sein, da fühlte ich mich stark;-)

übrigens wen es interessiert: diese Anforderungen an die Statur, Größe etc. sind nachzulesen bei Christine Heipertz-Hengst "Reitsport für Behinderte" 1980, 13-19 und U. Künzle "Hippotherapie auf den Grundlagen der Funktionellen Bewegungslehre Klein-Vogelbach" 38-49. Mir ist klar, dass gerade zweiteres sich mit der Hippotherapie beschäftigt, doch die positiven Auswirkungen,die gerade das richtige Schritttempo beim Reiter bewirken können, ist sicherlich auch für verhaltensauffällige Kinder zu nutzen.

Viele Grüße
Julia


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