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Therapeutisches Reiten - Reittherapie

Forum zum Thema "Heilpädagogisches Reiten" für Menschen mit psychischen Erkrankungen und Verhaltensauffälligkeiten, Therapeutisches Reiten für Behinderte.
 
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Reittherapie
Heilpädagogisches Begleiten mit dem Pferd - Claudia Altmann.
Mit allen Sinnen ganzheitliches Erleben der Faszination Pferd.

 
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 Betreff des Beitrags: Qualifiziert ohne therap. Grundberuf?
BeitragVerfasst: 27. Nov 2007, 19:58:52 
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Registriert: 13. Okt 2007, 22:11:43
Beiträge: 5
Hallo, nachdem ich hier schon einige Zeit stöbere, und eigentlich ganz angetan bin von diesem Forum, hätte ich von Euch ganz gerne mal Eure Meinungen zu folgender Lage gehört (bzw. gelesen :) ). Ich bin Agraringenieurin , hab mich auf Pferdehaltung spezialisiert (zumindest im Studium), und habe nach dem Studium für ein Jahr in einer anthroposophischen Einrichtung für Behinderte gearbeitet, was mir sehr viel Spass gemacht hat, vor allem die Kombination der Arbeit mit Mensch und Tier. Momentan bin ich Vollzeitmama :D, allerdings suche ich nach Perspektiven für die Zeit "danach". Meine Frage: Auch wenn ich keine abgeschlossene pädagogische oder therapeutische Ausbildung habe würde gerne im Bereich der Reittherapie arbeiten. Haltet ihr das für "unverantwortlich"? Beim DKthR bin ich schlichtweg abgelehnt worden, habe mich jetzt bei Monika Brossard angemeldet, die mir aufgrund der vorhandenen Berufserfahrung eine Teilnahme an der Weiterbildung genehmigt hat...
LG, Marlen

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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 27. Nov 2007, 23:49:15 
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Registriert: 25. Mär 2006, 20:23:41
Beiträge: 708
Nun ja, ob das unverantwortlich ist oder nicht kommt m.E. nach auf Deine Fachkenntnisse an. Diese kann man sicherlich grundsätzlich auch außerhalb eines Pädagogik Studiums etc. erwerben und in dem Teilbereich, in dem Du gearbeitet hast, verfügst Du ja vermutlich z.T. darüber.

Das Problem sehe ich eher darin, daß Du so ja auf ganz bestimmte Klienten festgelegt bist, weil Du bei anderen keine Fachkompetenz hast. Würdest Du jetzt z.B. anfangen, RT für Menschen mit psychischen Problemen anzubieten, halte ich das bei Laien grundsätzlich für verantwortungslos. (versicherungs- und haftungsrechtlich ist das auch sehr problematisch). Das gilt ebenso für alle anderen Bereiche (verhaltensauffällige Kinder, ...) in denen Du keine Fachkompetenz hast.

Wenn Du meine persönlich Meinung hören willst, ich weiß erstens ja nicht, welche / wieviel Fachkompetenz Du in der Arbeit mit behinderten Menschen hast, von daher ist es schwer zu sagen. Wenn da schon einiges vorhanden ist und Du Dich weiterbildest und Dich dann auch als RT auf diese Klienten "spezialisierst" und z.B. zuerst 1 Jahr unter Anleitung ein Praktikum in einer RT Einrichtung für behinderte Menschen machst, halte ich das nicht für verantwortungslos.


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BeitragVerfasst: 28. Nov 2007, 19:05:02 
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Oh jeee - ist das nicht immer so eine Sache, mit der Kompetenz?
Ja, natürlich, ein vernünftiger Grundstock ist unabdingbar.
Aber:
Der eine hat 10 Jahre lang studiert und ist schlichtweg unfähig und ein Theoretiker, der andere liest sich selber alles an und hat die notwendige Empathie von sich aus dazu. *schulterzuck*

Meiner Meinung nach kann man es einfach nicht über einen Kamm scheren. Ich hab 10 Jahre bei erziehungsschwierigen und verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen gearbeitet. Trotzdem würde ich auch ein geistig behindertes Kind nicht ablehnen, wenn es zu mir zum HBP käme. Sofern ich mich selbern nicht als überfordert sehen würde. Meiner Meinung nach wächst man einfach in die Sache hinein, je mehr Erfahrung man damit hat.

Judith, ich kenn Dich ja ein wenig von dem anderen Forum :wink: und hab Dich als sehr verantwortungsbewussten Menschen kennen gelernt. Muss ehrlich sagen, ich hätte bei Dir absolut keine Bedenken, wenn ich Betroffene wäre, Dir mein erkranktes Kind anzuvertrauen.
Meiner Meinung nach ist bei Dir viel gegeben, was man oft gar nicht erlernen kann.
Die Theorie dazu kannst Du Dir erlesen - jeder Arzt muss das machen. Keiner kann alles im Kopf haben.
Und die Weiterbildung bei Monika wird Dir sehr, sehr viel bringen, denke ich.
So wie ich Dich einschätze, wirst Du nicht gleich von 0 auf 100 jetzt sofort 50 Klienten nehmen. So wie ich Dich einschätze, wirst Du wohl mit jedem Ausbildungsjahr wachsen und nur annehmen, was Du Dir zutraust.
Kann das sein? Schätze ich Dich richtig ein?

Es waren bei uns am Kurs auch ein paar Teilnehmer, die den Kurs unterbrachen oder ganz abbrachen. Du wirst merken, wenn Du nicht so weit bist.

LG Claudia

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BeitragVerfasst: 28. Nov 2007, 23:44:56 
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Beiträge: 708
grundsätzlich sehe ich das genauso, man kann sich Fachkompetenz und Erfahrung auch anders aneignen, als durch eine Ausbildung.

Wobei das meiner Meinung nach im pädagogisch / therapeutischen Bereich keinesfalls nur im Selbststudium geht, da gehört jede Menge praktische Erfahrung unter Anleitung/Supervision dazu.

Aber ich persönlich würde mein Kind keinem "selbsternanntem Fachmann" anvertrauen, einfach weil ich nicht weiß, ob er sich diese Fachkenntnis, Erfahrung etc. wirklich angeeignet hat oder eben nicht. Gerade im "Psychomarkt" laufen da Leute rum, bei denen einem alle Haare zu Berge stehen, Behandlungsfehler kommen sehr oft vor. Und das schlimmste ist, daß diese Leute sich eben für kompetent halten und oft gar nicht wissen, was sie nicht wissen.

Natürlich kann man auch bei jemandem mit pädagogischer Ausbildung Pech haben, selbstverständlich. Aber die Wahrscheinlichkeit, daß dieser Mensch schlechte Ausbilder während seiner (inzwischen in Nds. 2-3 Jahre dauernden) praktischen Tätigkeit hatte und noch dazu 3 Jahre unfähige Lehrer und trotzdem er unfähig ist den Abschluß schafft, halte ich doch für vergleichsweise geringer.

Genauso, wie ich einen Behandlungsfehler z.B. bei einer ausgebildeten Physiotherapeutin für geringer halte, als bei einer selbsternannten "Bewegungslehrerin", bei der ich eben nicht weiß, wie umfangreich und gut ihre Ausbildung war. Selbstverständlich kann die auch eine sehr fundierte Ausbildung haben und über viel Erfahrung verfügen, ebenso kann es aber sein, daß sie nur ein paar Seminare besucht hat und sonst nichts weiter. Das Risiko wäre mir zu groß.

Das ist alles ausdrücklich nicht auf Dich bezogen, Judith, ist nur meine allgemeine Meinung zu Qualifikation.

Aber Du wirst es sehr schwer haben, die Kostenträger (Jugendamt etc.) zahlen zumindest in Nds. nur bei Anbietern mit pädagogischer Qualifikation, mit Anstellungen das gleiche. Ob man sich bei der momentanen "Flut" an RT noch ohne nachweisbare päd. Qualifikation durchsetzen kann, wage ich (gerade auch mit diesem Ding der staatlichen Anerkennung von RT) zu bezweifeln. Es wird schwieriger, sich so einen guten Namen zu machen, denke ich.


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BeitragVerfasst: 29. Nov 2007, 14:20:23 
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@Judith:
Wegen der Jugendämter: Die forderten auch bei mir tatsächlich einen Nachweis. Ich weis nicht, ob das HBP alleine ausgereicht hätte, oder ob mein Beruf als Erzieherin ausschlaggebend war. Da müsstest Du Dich informieren.

@Martina: Denke mal, wir meinen beide im Grunde das selber. Und es dürfte wirklich müßig sein, darüber ewig zu diskutieren.
Ich meine auch nicht, dass Lehrer jemand falsch einschätzen. Nur, wenn ich in die Praxis schau, wie viele gibt es denn, die nach ihrer Ausbildung aufhören zu lernen. Es gibt doch nur zu oft die Leuts, die sich auf ihre Ausbildung berufen, aber als Pädagogen einfach nicht gut arbeitenk, sondern sich ausschließlich auf´s Geldverdienen festlege. Das finde ich gibt es häufig.
Aber wie gesagt. Da kann man echt ewig drüber diskutieren und Du hast mit dem was Du schreibst ja auch vollkommen recht.

LG Claudia :D

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BeitragVerfasst: 29. Nov 2007, 16:52:53 
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Hallo Joey,

natürlich gibt es Pädagogen, die irgendwann (meist nach Jahren mit sehr "verschleissender Arbeit" (Streetwork etc.) nur noch eingeschränkt/schlecht arbeiten, keine Frage.

Mich ärgert nur immer ein bißchen, daß man gerade bei pädagogischen/therapeutischen Berufen meint, dies ginge auch ohne Ausbildung. (auch wieder nicht auf Dich bezogen, Judith :-), ich lese es nur sehr oft in Foren). Und eine 5 jährige pädagogische Ausbildung mit hohem Praxisanteil ist nicht so einfach zu ersetzen, niemand würde auf die Idee kommen, daß ein Goldschmied gut als Chirurg arbeiten könnte, obwohl er durchaus Fingerfertigkeit besitzt.

Also was mich an dieser Diskussion oft stört ist das die pädagogische Ausbildung so wenig wertgeschätzt wird, bei keinem anderen Beruf würde man sagen "das geht auch ohne Ausbildung" oder "meine Ausbildung ist durch 1 Jahr Praktikum ersetzbar".

Als Rt arbeitet man ja heilpädagogisch oder zumindest begleitend, unterstützend und dazu gehört m.A.n. daß man spezielle Problematiken erkennen kann, Diagnosen von anderen (Ärzten, Psychologen etc.) verstehen kann, in der Lage ist, eigene Diagnosen zu machen und sich zu überlegen, was denn jetzt gut wäre zu tun, wasgenau ich fördern will, worum es geht und wie ich das mache. Ich muß in der Lage sein, sinnvolle Therapiepläne aufzustellen, die ich auch vor Ärzten, Psychologen, Kostenträgern, Eltern etc. vertreten kann usw. Dazu gehört ein hohes Maß an Fachkompetenz und vor allen Dingen auch Erfahrung.

Und da grenze ich auch heilpädagogische Tätigkeit zu "Kinderreiten" oder auch z.B. "reiten für behinderte Kinder" ab (was zweifelsohne auch gute Wirkungen hat), aber wenn ich mein Angebot "heilpädagogisch" oder ähnlich nenne, sollte ich auch über den entsprechenden background verfügen. Auch das wird oft nicht gesehen, RT ist oft "na, da werden die Kinder ein bißchen auf dem Pferd geführt und machen ein paar Übungen", mehr nicht.

Das sind die Dinge, die mich allgemein immer an der Diskussion "geht es ohne Ausbildung" ärgern, eben das nicht sehen von Qualität und Inhalten dieser Arbeit.

Auch, weil es eben leider genug RT gibt, die ohne entsprechenden background arbeiten und daher werde ich bei der Diskussion um Ausbildung oder nicht etwas "allergisch".

Das bezieht sich aber - wie gesagt - grundsätzlich auf diese Diskussion. Und ich denke, wir sind uns da auch grundsätzlich einig.

W i e man sich nun den entsprechenden background, das Fachwissen, die Erfahrung usw. aneignet, da gibt es sicherlich unterschiedliche Wege und da sehe ich - wenn schon z.B. Berufserfahrung vorhanden ist - auch durchaus andere Möglichkeiten, als die einer päd. Ausbildung.


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BeitragVerfasst: 29. Nov 2007, 19:47:00 
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Registriert: 11. Jan 2006, 20:26:53
Beiträge: 254
Wohnort: Siegen
@ Martina: In allen Teilen DANKE!
So sehe ich es auch!


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BeitragVerfasst: 29. Nov 2007, 20:37:10 
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Beiträge: 5
Hi,
danke für Eure Statements.
@Joey: Deine Einschätzung macht mich ganz verlegen. Danke!
Ansonsten: Ihr habt recht, kann man nicht anders sagen. Allerdings habe ich nicht die Möglichkeit, eine päd.Ausbildung nachzumachen, das ist einfach weder zeitlich noch familiär drin. Die beiden Reittherapeutinnen in unserer Einrichtung (für geistig Behinderte) sind zwar Heilerzieherinnen, aber dafür ohne die Zusatzqualifikation für RT. Vielleicht würden wir uns also ganz gut ergänzen :wink: . Nein, im Ernst, das sollte gut überlegt sein, ob die nötige Komptenz auch rein über die Berufserfahrung erreichbar ist. Und was die Unterstützung der Jugendämter angeht, werd ich mich mal schlau machen. Muss noch eine Weile grübeln....
Gruß, Judith

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BeitragVerfasst: 30. Nov 2007, 20:44:58 
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@ Martina:
Das hast Du wirklich super gut geschrieben. Und man liest Dein Herzblut wirklich mit raus.
Sehe auch alles genau wir Du. Darum ist das für mich jetzt eigentlich auch keine Diskussion.

@Judith:
Da ich in der erfreulichen Lage bin, Dich schon ein paar Jährchen zu "kennen" und ich mir zutrau, Dich ein klein wenig einschätzen zu können, denke ich, dass Du sehr wohl in der Lage sein kannst, diesen Beruf verantwortungsbewusst auszuüben.
Ich denke nicht, dass Du einer dieser Fälle bist, die sich einbilden, man könnte einfach so hergehen und RT anbieten, wie es leider viel zu oft der Fall ist. Und was ich auch absolut verurteile.

Meiner Meinung nach, wird Dir die Weiterbildung sehr viel bringen. Weil Du ein sehr aufgeschlossener Mensch bist. Und ich schätze Dich so ein, dass Du sehr, sehr viel Empathie besitzt. Was in meine Augen das A und O ist. Ohne das, geht es nicht. Noch nicht mal mit Professorentitel. :wink:

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