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Therapeutisches Reiten - Reittherapie

Forum zum Thema "Heilpädagogisches Reiten" für Menschen mit psychischen Erkrankungen und Verhaltensauffälligkeiten, Therapeutisches Reiten für Behinderte.
 
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Reittherapie
Heilpädagogisches Begleiten mit dem Pferd - Claudia Altmann.
Mit allen Sinnen ganzheitliches Erleben der Faszination Pferd.

 
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 Betreff des Beitrags: Wann ist ein Pferd ungeeignet als Therapiepferd?
BeitragVerfasst: 13. Aug 2007, 20:30:53 
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Hm, die Überschrift sagt ja eigentlich schon alles.

Trotzdem nochmal zur näheren Erläuterung: Ich bin ja noch in der RT-Ausbildung, habe aber schon mal begonnen, bei meinem Arbeitgeber (einem Verein, der im psychosozialen Bereich tätig ist) ein reittherapeutisches Angebot zu entwickeln. Dazu kann ich Pferde eines anderen, nahegelegenen Vereins nutzen, die sonst vorrangig zum Ponyreiten verwendet werden.
Von der Leiterin dieser Einrichtung wurde mir ein sechsjähriger Haflinger-Wallach zur Nutzung angeboten, der noch nicht lange in diesem Stall ist und auch noch nicht viel kann. Bisher habe ich dreimal mit ihm gearbeitet und finde ihn bisher recht kooperativ und lernbereit.
Heute sagte mir jemand aus dem Stall, der Kleine sei nicht in einer richtigen Herde großgeworden, sondern in Gesellschaft nur eines anderen Pferd, von daher sei es möglich, dass er "verhaltensauffällig" sein könne, Als Beleg führte sie an, er habe letztens beim Longieren, ohne Vorankündigung, nach der Longenführerin ausgekeilt.

Wie gesagt, ich finde ihn bisher ganz kooperativ und in normalem Maße "widersetzlich". Aber ich frage mich doch, wann man bei einem Pferd sagen würde, es sei als Therapiepferd nicht geeignet.

LG André


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 14. Aug 2007, 15:32:11 
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Hallo Andre,

ich denke prinzipiell sind die wenigsten Pferde wirklich "ungeeignet", aber sie brauchen eben eine lange und solide Ausbildung. Und genau da hätte ich bei "Deinem" 6-Jährigen nach Deiner Beschreibung Bedenken.

Das hört sich ein bißchen danach an, als sei er (auch als "normales Reitpferd") noch nicht so gut ausgebildet, also noch mittendrin, was z.B. Gleichgewicht, Balance, richtige Rückenbelastung, "ergonomisch richtige Bewegungsmuster" etc. angeht. Habe mehr den Eindruck, daß er da noch viel lernen muß. Vielleicht geht das aber parallel, ich weiß ja nicht, was Du "benötigst", also z.B. langes stillstehen, einseitige Belastung, ruckartige Belastung, Reiter, die schnell aus dem Gleichgewicht kommen etc. würde ich ihm noch nicht zumuten. Vielleicht kannst Du ihn aber weiter ausbilden und parallel z.B. für Bodenarbeit etc. "nutzen".

Ich finde 6 prinzipiell zu jung (das kann aber daran liegen, daß ich hauptsächlich "Norweger-Erfahrung" habe, für die ist das zu jung, die sind da noch mitten in ihrer "Flegelphase" und testen alles aus und können auch nur sehr kurz konzentriert arbeiten).

Auch das auskeilen spricht für "eher noch mitten in der Ausbildung".

Was "normale Widersetzlichkeiten" angeht, daran glaube ich nicht, in meinem "Pferdebild" gibts das nicht, entweder ein Pferd arbeitet motiviert mit oder der Mensch macht irgendwelche Fehler (oder hat früher Fehler gemacht), das ist jetzt etwas zu kurz gegriffen, aber ich denk, Du weißt, was ich meine. Ein Therapiepferd muß jedenfalls bereitwillig und gerne arbeiten, mit Widerstand geht da gar nichts.

Über die fehlende Sozialisation kannst Du Dir vielleicht erstmal ein genaueres Bild machen, meiner Erfahrung nach bekommt man aber alle "Defizite", die da entstanden sind (wenn es nicht ganz arg war) mit guter Ausbildung in den Griff. Dauert aber und ist die Frage, ob Du da so viel Zeit und Energie reinstecken willst, da er Dir ja nicht gehört.

Also kurz, nach Deiner Beschreibung finde ich ihn nicht ungeeignet, aber eben "noch nicht genügend ausgebildet" und daher zum jetzigen Zeitpunkt "ungeeignet".

Martina


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BeitragVerfasst: 15. Aug 2007, 22:43:18 
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Hallo!

Also, so ganz grundsätzlich find ich gut, was Martina geschrieben hat. Aber bei dem ein oder anderen Punkt bin ich anderer Meinung...
Z.B.was das Alter angeht. Mein Äppi ist sieben- und ist das coolste Pferd der Welt. :wink: :D Was ich mein ist, es kommt meiner Meinung nicht auf Alter oder Rasse an, sondern ausschließlich auf das Tier Pferd und dessen Charakter.
OK. Du sagts, das Pferd hat ausgekeilt. Dazu grundsätzlich: Wenn ein Pferd an der Longe geht, dann ist das nicht nur einfache "Bodenarbeit", sondern es wird die Dominanz geklärt. Du stehst in der Mitte und treibst das Pferd von hinten. Wer treibt von hinten?? Ausschließlich der Herdenboss oder der Ranghöhere oder eben der dominante Mensch. Wenn das Pferd auskeilt, möchte es fragen, ob Du die Dominanz verdient hast. Wenn er das bei dem Mädchen tat, bei Dir aber nicht, dann stellt er Deine Rangordnung nicht in Frage. Dann bist Du der Boss.
Meiner Meinung nach sind es zwei paar Schuhe, wenn man als dominanter Mensch mit dem Pferd arbeitet, oder ob man Therapie arbeitet. Wenn man mit dem Pferd arbeitet, darf es fragen - nur die Antworten müssen eindeutig sein. Wenn man Therapie arbeitet, muss es für Pferd und Führer klar sein, wer der Boss ist. Verstehst Du, was ich mein?
Vertraut das Pferd Dir? Vertraust Du dem Pferd?
Wenn ich Du wäre, ginge ich nach meinem Gefühl. Nach meinem Bauchgefühl.
Ich persönlich wenn mir nicht sicher bin, versuch ich so manches erst mal mit den Mädels von uns beim Stall. Z.B. war ich mir nicht sicher, wie die Sabsi reagiert, wenn sich ein Kind über die Kruppe rückwärts ablegt. Also bat ich eine 16-jährige von uns am Stall, mit mir das zu versuchen. Es klappte sehr gut.

Nichts desto trotz finde ich auch sehr, sehr wichtig, dass Du mit dem Pferd alle möglichen und unmöglichen Situationen übst. Heute z.B. erst war wieder der Fall, dass ein vierjähriges Mädchen einen kleinen Ball ganz unerwartet vom Pferd herunter warf. Gut, dass ich mit der Sabsi so was schon immer trainiert habe. :wink: Sonst hätte mich der Schlag getroffen und das Kind wohl der Boden.... *schluck*

Und dann fällt mir noch dazu ein:
Hatte vor zwei Tagen zwei Ponies zu uns am Hof. Sie sind zum Verkauf. Und wir durften sie zwei Wochen zu uns holen - zum Testen. Eines sollte als Schulpferd gehen und eines für mich.
Beide sind nicht geeignet.
Der eine buckelt... erübrigt sich.
Der andere ist super hübsch, super lieb und super brav... aber nur, wenn sein Kollege dabei ist. D. h. für mich, er hat zu den Menschen keinen Bezug und kein Vertrauen. Natürlich könnte ich mit ihm trainieren und ihm einiges lernen. Aber diese Zeit und dieses Geld hab ich nicht. Wenn ich mit dem am RP bin, registriert der mich nicht... der ist, als sei ich nicht da. Das ist für mich ein Kriterium, das für mich diese Pferd als nicht geeignet erscheinen lässt. Menschenbezug muss meiner Meinung nach da sein. Und von vorn herein ein gewisses Maß an Respekt dem Menschen gegenüber. Na ja. Meine Meinung.

Also - Grundausbildung unbedingt notwendig. Die Meinung anderer nur bedingt. Und Dein Gefühl und Dein Vertrauen sind die Hauptsache.
Was Du Dir zutraust, das ist in Ordnung. Vorausgesetzt sind ein gesundes Selbstvertrauen und ein seelisch gesundes Pferd.
Viel, viel Glück und alles, alles Gute!!!

LG Claudia

PS: Nur so meine ganz persönliche, eigene Meinung: Mit einem fremden Pferd könnte ich diese Arbeit nicht machen. Ich muss mein Pferd super gut kennen. Und das kann ich nur bei dem eigenen. Bzw. bei den eigenen zweien... :wink:

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„Liebe ist der Endzweck der Weltgeschichte - das Unum des Universums.“
Novalis


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BeitragVerfasst: 16. Aug 2007, 12:37:35 
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Erstmal Danke Euch beiden für Eure Antworten!

Martina hat geschrieben:
ich denke prinzipiell sind die wenigsten Pferde wirklich "ungeeignet", aber sie brauchen eben eine lange und solide Ausbildung. Und genau da hätte ich bei "Deinem" 6-Jährigen nach Deiner Beschreibung Bedenken.
Das hört sich ein bißchen danach an, als sei er (auch als "normales Reitpferd") noch nicht so gut ausgebildet,

Naja, weil ich mir da auch nicht sicher bin, habe ich ja gefragt ;)
Aber er lernt schnell und ist gutwillig, das könnte also noch was werden.

Martina hat geschrieben:
Vielleicht kannst Du ihn aber weiter ausbilden und parallel z.B. für Bodenarbeit etc. "nutzen".

Zunächst werde ich ihn nur für Bodenarbeit nutzen, alles andere würde ihn überfordern und wäre auch fahrlässig.

Martina hat geschrieben:
Ich finde 6 prinzipiell zu jung (das kann aber daran liegen, daß ich hauptsächlich "Norweger-Erfahrung" habe, für die ist das zu jung, die sind da noch mitten in ihrer "Flegelphase" und testen alles aus und können auch nur sehr kurz konzentriert arbeiten).

Hm, in der Flegelphase ist er auch noch, deutlich, und auch das mit der begrenzten Konzentration trifft zu – 20 Minuten und dann ist er „durch“. Er erinnert mich auch sehr an den Norweger auf unserem Hof...

Martina hat geschrieben:
Was "normale Widersetzlichkeiten" angeht, daran glaube ich nicht

Was ich meinte, war, dass er eben schon mal „Nein“ sagt. Das finde ich legitim, das darf er (noch).

Martina hat geschrieben:
Also kurz, nach Deiner Beschreibung finde ich ihn nicht ungeeignet, aber eben "noch nicht genügend ausgebildet" und daher zum jetzigen Zeitpunkt "ungeeignet".

Das sehe ich ähnlich.
Aber wie gesagt, bisher zeigt er mir jedes Mal, dass er bereit ist mitzumachen. Im Rahmen seiner Möglichkeiten.

Joey hat geschrieben:
Meiner Meinung nach sind es zwei paar Schuhe, wenn man als dominanter Mensch mit dem Pferd arbeitet, oder ob man Therapie arbeitet. Wenn man mit dem Pferd arbeitet, darf es fragen - nur die Antworten müssen eindeutig sein. Wenn man Therapie arbeitet, muss es für Pferd und Führer klar sein, wer der Boss ist. Verstehst Du, was ich mein?

Klar, deswegen will ich das ja auch vorher geklärt haben, bevor der erste Klient „ran“ darf.
Und ich habe das Gefühl, dass er von Mal zu Mal mehr akzeptiert, dass ich der Boss bin. Auch wenn er immer wieder kleine Anfragen startet.
Joey hat geschrieben:
Vertraut das Pferd Dir? Vertraust Du dem Pferd?

Vom Boden aus vertrau ich ihm, draufgesessen habe ich noch nicht.
Ob er mir vertraut? Immerhin blieb er am Montag mit mir auf dem Platz, obwohl der Rest der Herde in den Stall geführt wurde und er in ähnlichen Situationen schon durch den Zaun bzw. oben rüber gegangen sein soll.

Joey hat geschrieben:
Wenn ich Du wäre, ginge ich nach meinem Gefühl. Nach meinem Bauchgefühl.

Das hieße im Moment: Eingeschränktes JA. Wie gesagt, zur Bodenarbeit ein eindeutiegs JA, aber ich würde im Moment noch niemanden auf seinen Rücken lassen.

Joey hat geschrieben:
Nichts desto trotz finde ich auch sehr, sehr wichtig, dass Du mit dem Pferd alle möglichen und unmöglichen Situationen übst.

Da arbeiten wir dran :)
Ich freu mich schon auf den ersten Ball, den er am Rücken abkriegt.
In der RT-Ausbildung hat letztens ein Pferd (aus Versehen) einen an die Nase bekommen - sie blieb völlig ruhig und hat sich nicht gerührt.
Bis dagin ist es aber wohl noch ein weiter Weg :?
Joey hat geschrieben:
PS: Nur so meine ganz persönliche, eigene Meinung: Mit einem fremden Pferd könnte ich diese Arbeit nicht machen. Ich muss mein Pferd super gut kennen. Und das kann ich nur bei dem eigenen. Bzw. bei den eigenen zweien...

Ja klar wäre das schöner, besser, sinnvoller. Aber es geht nicht, aus Gründen, die nur schwer zu ändern sind.
Diese Variante ist derzeit die einzig praktikable für mich und meinen Arbeitgeber, um RT anbieten zu können.

Zur Zeit arbeite ich dreimal pro Woche mit dem Kleinen. Wir machen Bodenarbeit in Anlehnung an Parelli (nur mit viel mehr positiver Verstärkung=Lob). Schwerpunkt der letzten Einheiten war, die Schulter zu kontrollieren und ihn mit der Vorhand weichen zu lassen (er kam mir immer gerne rein).
Das war vorige Woche noch nahezu unmöglich, am Montag mit erheblichem Kraftaufwand meinerseits und gestern schon sehr viel besser. Auch das Durchparieren und Rückwärtsrichten war entschieden besser. Von daher bin ich optimistisch :)

LG A.


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BeitragVerfasst: 16. Aug 2007, 16:52:22 
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Hallo Andre,

na, das hört sich doch ganz gut an. Ich denke, es ist wirklich die Frage, ob Du die Zeit / Möglichkeit hast, ihn erst weiter auszubilden oder ob Du für Deine Arbeit in nächster Zeit ein Pferd brauchst.

Ein Problem bei solchen Pferden in der Ausbildung ist auch, daß sie sich sehr schnell "falsche Sachen" angewöhnen, gerade wenn Anfänger oder Kinder etc. noch nicht so deutlich sein können und man nicht sofort das Pferd korrigiert. Das wird Dir vermutlich auch bei Bodenarbeit mit Klienten so gehen und ich weiß nicht, ob es möglich / sinnvoll ist, während Therapiestunden auch noch gleichzeitig immer wieder das Pferd zu korrigieren.

Eigendlich wäre er ein ideales "Zweitpferd", wenn Du ein ausgebildetes Therapiepferd hättest, er sich viel abschauen könnte, Du ihn ausbilden könntest und er langsam "Kleine Aufgaben", zuerst bei den schon etwas geübteren / erfahreneren Klienten, übernehmen könnte. Du aber ein ausgebildetes, sicheres Therapiepferd für die "Hauptarbeit" hast.

Also ich würde es davon abhängig machen, ob Du die Zeit / Möglichkeit hast, mit Deiner Arbeit zu warten und ihn weiter auszubilden.

Joey, zum Alter, ich denke auch, daß es vom Pferd abhängig ist, sehe aber aus meinen Erfahrungen auch eine deutliche Rasseabhängigkeit, Norweger sind (wie Isländer und Haflinger z.B. auch) Spätentwickler, die erst mit so 5 Jahren ausgewachsen sind, also die "Definition", ob die jeweilige Rasse zu "Früh-oder Spätentwicklern" gehört stimmt zumindest meiner Erfahrung nach meist mit der Realität überein.

Zu dem longieren und treten, mir ist zuerst nicht "fehlende Boss Akzeptanz" eingefallen (was aber genausogut sein kann, wir können ja alle nur spekulieren), sondern, ob er einfach noch nicht ausgebildet genug ist, ergonomisch richtige Biegung und Balance auf einem Zirkel laufen zu können, wenn er das noch nicht kann, sind Zirkel natürlich unangenehm, das war meine Idee zum treten...


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BeitragVerfasst: 17. Aug 2007, 22:57:31 
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Martina:
Naajaaa... wegen des Alters... Hatte eine Tinker-Stute als RB. Sie war vier, als ich sie anfing zu reiten und fünf, als ich sie zusammen mit meinem (Western-)Trainer ausbildete. Bei Tinkern heißt es doch auch, dass sie Spätentwickler sind. Aber diese Stute war vom ersten Tag an so brav, dass Du sie ehrlich von einem vierjährigen Kind einreiten lassen hättest können. Die kam gar nicht auf den Gedanken, Flachsen zu machen.
Aber nichts desto Trotz - Du hast schon recht. Bin schon auch der Meinung, dass es sicherlich rassetypische Merkmale gibt und versteh sehr gut, was Du meinst.

André:
Wegen der Ausbildung vom Boden aus:
Mir geht es im Moment ganz genau so mit meinem Äppi. Ich selber reite ihn noch nicht, weil er doch im Rücken noch nicht genug Muskeln aufgebaut hat. Also war ich bisher gezwungen "nur" Bodenarbeit mit ihm zu machen. Er ist erst sieben und ist bei den Kindern braver als ein lieber, großer Onkel. Er achtet auf die Kinder und geht wie auf rohen Eiern, wenn ein Kind ihn führt.
Inzwischen longiere ich ihn mit Sattel und er hat einigermaßen aufgebaut. Also wag ich nun auch - nachdem er ja vorher auch schon drei Jahre lang geritten wurde und ein paar Mädels am Hof ihn im Sattel getestet haben - Kinder auf ihm reiten zu lassen. Er ist sowas von brav.
Ich hab das ganze mit dem Charly relativ schleichend angehen lassen. Zuerst nur ich mit ihm... Dann auch mal eine Bekannt vom Hof, um zu sehen, wie er bei fremden reagiert... Und so kam eins zum anderen.

Was ich mit ihm wagen kann, sagte mir bisher immer mein Gefühl. Und bisher lag ich recht. Auch wenn ich mal gegen mein Gefühl handelte (so nach dem Motto: Na, das muss jetzt gehen..) behielt mein Gefühl bisher recht. Dann ging es meistens in die Hose. Also, so wie ich das les von Dir, kannst Du Dein Pferd wohl recht gut einschätzen. Wenn Du denkst, dass er so weit ist, mit Kindern am Boden zu gehen, dann denke ich, ist es wohl so. Das 1000% Pferd gibt es leider nicht; aber dafür verantwortungsbewusste Pferdeführer.
:wink:
Und ich habe noch was festgestellt. Die Pferde selber sagen einem auch oft, ob man noch in dem Rahmen ist, den man dem Pferd (in seiner Arbeit) zutrauen kann.
Bei meinem Charly war es mal so, dass er partout ein Kind nicht auf seinen Rücken lassen wollte. Das war in der Zeit, als die Sabsi in der Klinik war und ich dachte, er ist so brav, ich kann jetzt auch mal ein Kind drauf setzen. So nach dem besagten Motto... :wink: Aber das war nicht richtig. Also lies ich es. Und lernte aus meinem Fehler. :wink:

Deine Situation kann ich gut verstehen. Man muss immer erst mal einen Bezug zu seinem Pferd aufbauen. Man kann sich auch ein Pferd für tausende von Euro´s kaufen - wenn kein Bezug da ist, wird man dem Pferd nicht vertrauen können. Nur durch die Arbeit mit dem Pferd - glaube ich - kommt auch dieses gegenseitige Vertrauen.

Es ist sicherlich so, dass irgendwann mal der Zeitpunkt da sein wird, an dem Du einen Klienten an das Pferd "wagen lassen musst". Und je mehr ihr beide (Pferd und Du) dann mit Klienten Erfahrungen sammeln durftet, um so sicherer werdet ihr beide auch.
Allerdings find ich auch, dass es kein Risiko sein darf. Erst wenn Du so sicher bist, wie man sich bei dieser Arbeit nur sein kann, erst dann setz das Pferd ein. Hast Du jemand, der Dir als "Dummie" nutzen könnte? Also, jemand der mit minimiertem Risiko ein wenig testen könnte? Ich hab z.B. eine Nichte und Kiddis am Hof, die reiterfahren sind. Die lass ich gern testen. Z.B. auf das Pferd setzen, mit den Beinen schlagen und kreischen.
Dann lass ich erst mal meine eigenen Kinder drauf; und wenn das alles gut geht, ist das Pferd "zur Therapie zugelassen". :wink:

Also, der Vorschlag von Martina ist meiner Meinung nach wirklich gut. Arbeite doch erst mal mit Pferden, die erprobt sind. Dann bist weder Du noch Dein Pferd unter Druck. Und Du kannst in Ruhe ausbilden und austesten.

Bei Charly ist es übrigens so, dass er zu viel Arbeit oder viele Kinder gleichzeitig nicht verträgt. Er kolikt, wenn er zu viel seelischen Stress ertragen muss.


Zur Trainingsmethode:
Würde ihn als aller erstes mal joinen. Sowas wirkt oft Wunder. :wink:
Und hast Du ihn auch schon mal longiert? Was hat er getan?

LG Claudia

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BeitragVerfasst: 21. Aug 2007, 21:12:03 
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Joey hat geschrieben:
Also, der Vorschlag von Martina ist meiner Meinung nach wirklich gut. Arbeite doch erst mal mit Pferden, die erprobt sind. Dann bist weder Du noch Dein Pferd unter Druck. Und Du kannst in Ruhe ausbilden und austesten.

Das würde ich ja gerne tun, nur diese Pferde gibts nicht! Also nicht dort. ;)
In erster Linie wird auf dem Hof Kinder-/Ponyreiten betrieben. Dementsprechend sind kaum Pferde da, die einen Erwachsenen, noch dazu wenn er seine Gleidmaßen nicht recht kontrollieren kann, tragen können und nicht zu groß sind (es gibt natürlich auch einen 1,80 m - Reitelefanten).
Der kleine Haffel ist schon von seinem Körperbau her am besten für meine Zwecke geeignet (ich arbeite mit psychisch kranken Erwachsenen). Kräftig, nicht zu groß. Und inzwischen bin ich von seinem geeigneten Wesen auch überzeugt :) Er braucht nur eben noch ein wenig Erziehung.

Ich denke, dass ich in etwa 2 Wochen mal eine pferdeerfahrene Kollegin mitnehmen werde, als "Dummy".
Einen Round Pen gibts leider nicht, aber zumindest das "Follow Up" klappt schon gut - er folgte mir gestern frei über den gesamten Auslauf.

Was sein "Auskeilen" an der Longe angeht: Ich war ja nicht dabei, aber vielleicht musste er sich auch nur mal ordentlich strecken? Ich erlebe ihn bisher jedenfalls als ausgeprochen kooperativ und hege derzeit keine Zweifel mehr an seiner Eignung als Therapiepferd - noch etwas Zeit vorausgesetzt.

Danke für Eure Meinungen und Hinweise! Ich werde weiter berichten!

LG A.


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BeitragVerfasst: 22. Aug 2007, 19:48:25 
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Ja, bitte berichte! Wünsch Dir viel Glück und und Erfolg und alles Gute!!!

LG :)

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BeitragVerfasst: 23. Aug 2007, 15:30:26 
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Registriert: 25. Mär 2006, 20:23:41
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ja, will ich auch wissen :-)

wobei ich persönlich jetzt finde, daß sich der "Reitelefant" auch nicht so schlecht anhört als Alternative...


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