Hi!
Du schreibst viel von "will nicht". Ganz ehrlich liest sich das für mich als ein: "Das Pferd kann es einfach nicht"

. Meiner Meinung nach ist das keine Böswilligkeit oder Verzogenheit, sondern das Pferd ist ganz einfach so gut wie roh. Meiner Meinung nach solltet ihr es behandeln, als wäre es grad mal drei und muss neu eingeritten werden.
Das Pferd reagiert nicht auf Schenkel. Ja wie soll es denn, wenn es das nicht kennt?
Da ich Euer reiterliches Können und Now How nicht kenne, würde ich Euch ganz gern empfehlen, diesem Tier mal vier Wochen (besser wären drei Monate) Profiberitt zu gönnen. Aber da es Euch nicht gehört, kann ich natürlich verstehen, dass Ihr kein Geld dafür ausgebt.
Also wäre es meiner Meinung nach mal ganz wichtig, ganz von vorne, also ganz unten anzufangen. Da, wo das Tier steht. Nämlich mit der Bodenarbeit. Ihr sagt, an der Longe gibt es mit ihr Affenzirkus. Warum klärt ich nicht als erstes Mal die Dominanz durch ein kleines Joinen. Und verdient Euch das Vertrauen dieses Pferdes durch Bodenarbeit und Gelassenheitsübungen.
Vom Reiten her gesehen, wenn ich lese, dass Deine Cousine das Gebiss durchgezogen hat, dann halte ich das für einen reiterlichen Fehler. Nicht für den Fehler des Pferdes.
Würde Dir empfehlen, dass Du unbedingt einen Kinnriemen ranmachst. Bin selber auch Westernreiter (nehme ich an, dass Du auch bist, wegen der "leichten" Zäumung?) und mein Äppi geht auch gern mal beim Biegen gegen das Gebiss. Kenn das Phänomen "Ring fast im Maul" also.
Das Problem scheint erstschon mal zu sein, dass das Pferd die seitliche Zügelführung nicht kennt.
Was mir sehr gut bei meinem Äppi geholfen hatte, war ein kleiner Trick. Ich hab ihm unter dem Zaum ein Knotenhalfter aufgezäumt. Dann den Zaum mit Gebiss. Die Zügel habe ich (mit Snaps) durch die D-Ringe des Gebisses hindurch am darunter vorbeilaufenden Knotenhalfter festgemacht. Verstehst Du? So kommt zuerst der Druck des Zügels mal auf die Nase und das Genick - erst dann an die empfindlichen Maulwinkel.
So kapierte er viel, viel schneller, dass der Kopf seitlich nachgeben soll, wenn Druck auf den Zügel kommt.
Was noch besser wäre, Du würdest ein Sidepull verwenden. Das muss aber unbedingt GUT SITZEN!!! Denn ansonsten hat es null Wirkung, scheuert das Pferd Wund und verdirbt es eher, als es nützt.
Um Deinem Pferd zu lernen, Schenkelhilfen anzunehmen, musst Du auch Dein Gewicht gut kontrollieren. Ich weis von mir selber, dass ich leider sehr oft den Fehler machen, wenn ich Schenkel anlege und das Pferd reagiert nicht, dass ich meinen Körper verspanne und mein Gewicht des Körpers dann völlig entgegen dem wirkt, was mein Schenkel eigentlich wollte!
Kannst/kennst Du das Lenken eines Pferdes mit Gewichtshilfen?
Zu guter Letzt würd ich Euch beiden ganz gern an´s Herz legen, mit einem guten Trainer zusammen das Pferd zu erziehen.
Als ich selber noch kein Pferd hatte, hatte ich RB. Mit denen nahm ich Unterricht bei einem - meiner Meinung nach - super guten
Trainer . So lernte das Pferd und ich auch. Außerdem lies ich den Trainer auch öfter mal Korrektur reiten. Bei diesem Trainer lernte ich nicht nur reiten, sondern überhaupt das Tier Pferd verstehen.
Also dann.
Wünsch Euch noch ganz viel Glück und Erfolg und Spaß!
Und bitte immer gern her mit den Fragen. Wenn ich auch die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen hab, aber ein Meinungsaustausch hat noch nie geschadet.
LG Claudia