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Therapeutisches Reiten - Reittherapie

Forum zum Thema "Heilpädagogisches Reiten" für Menschen mit psychischen Erkrankungen und Verhaltensauffälligkeiten, Therapeutisches Reiten für Behinderte.
 
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Reittherapie
Heilpädagogisches Begleiten mit dem Pferd - Claudia Altmann.
Mit allen Sinnen ganzheitliches Erleben der Faszination Pferd.

 
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 Betreff des Beitrags: Reittherapie mit autistischen Jugendlichen.
BeitragVerfasst: 04. Okt 2005, 09:23:01 
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Hallo,

ich mache gerade ein Praktikum im Rahmen meiner Ausbildung zur Reitpädagogin. Das Praktikum findet mit zwei autistischen Jgendlichen statt. Leider habe ich mit diesem Klientel noch nie zu tun gehabt. Was könnte ich als Ziele für die Klienten angeben? Was für Übungen könnte man mit ihnen machen?

Wäre über jeden Tipp sehr dankbar!!

viele Grüße naira22


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BeitragVerfasst: 05. Okt 2006, 22:30:34 
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Sind die beiden relativ fit? Möchten sie reiten oder lieber mit dem Pferd sein? Ich arbeite in einem Wohnheim für Menschen mit autistischer Behinderung. Kontaktaufnahme, Sozialverhalten und Wahrnehmung stehen bei unserem Klientel auch beim Reiten im Vordergrund. Allerdings stellte sich das Krankheitsbild bei jedem ganz individuell dar. Bei den Menschen mit denen ich areite ist das daher ganz unterschiedlich. Einige reiten gerne. Für andere ist es schon ein großer Schritt, das Pferd zu führen. Jegliche Art der Kontaktaufnahme scheint mir sehr wichtig, da alle Menschen mit autistischer Behinderung die ich kenne, hier ganz besondere Schwierigkeiten haben. Eine gewisses gleichbleibendes Ritual ist auch nützlich, da einige Autisten auch große Schwierigkeiten mit der Umsetzung von Handlungsabläufen haben. Falls Du genauere Fragen hast, will ich gerne versuchen, noch einige Tips zu geben, aber so allgemein ist das schwierig. :)
Gruß Birgit


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BeitragVerfasst: 27. Nov 2006, 22:33:37 
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Hallo Birgit!

Ich hätte da tatsächlich eine sehr dringende Frage... *schluck*

Es hat sich bei mir für Freitag ein siebenjähriger, autistischer Junge angemeldet. Ich habe mit dieser Art der - ich nenn es jetzt mal - Beeinträchtigung überhaupt keine Erfahrung.
Habe (und bin auch grad dabei) zwar Fachbücher gewälzt, das ersetzt aber halt keine paktische Erfahrung.

Gibt es Ratschläge, die Du für mich hast? Auch Sicherheitsfragen; was rätst Du mir zu bedenken? Wie würdest Du die Stunde erst mal angehen? Ich glaube, der Junge hat noch gar keine Erfahrung mit Pferden.
Ich dachte daran, das Pferd (Isi-Stute) erst mal einfach in die (kleine) Halle zu stellen und den Jungen mal von außen beobachten lassen. Dann würd ich ihn hineingehen lassen.
Wie kann ich den Jungen beeinflussen? Ich kenne noch nicht seinen Grad der Behinderung. Also - ob er völlig verschlossen ist oder ob Kontaktaufnahme möglich ist.
Wie würdest Du also vorgehen?
Habe im Buch von Marianne Gäng von der Körperarbeit gelesen. Ist das ein adäquates Mittel zur Kontaktaufnahme? Oder ist das für einen Autisten überlicherweise noch viel zu weit gegriffen?


Mutter und Sohn kommen am Freitag zur Schnupperstunde. Alles weitere wird sich dann finden.

LG Claudia

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„Liebe ist der Endzweck der Weltgeschichte - das Unum des Universums.“
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BeitragVerfasst: 28. Nov 2006, 21:08:10 
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:D Hallo,
geh die Sache ganz locker an. Du bist mit dem Kind ja nicht alleine, die Mutter ist ja dabei und wird Dir vieles über das Kind erzählen. Wichtig ist, den Rahmen klein und überschaubar zu halten, um das Kind nicht zu überfordern oder abzulenken. Alles neue, unbekannte macht Autisten of Angst. Anweisungen kurz und präziese halten. Viele Autisten mögen keinen Körperkontakt. Mit dem Pferd zuschauen u. evtl. hineingehen liegst Du sicher ganz richtig. Laß Dir Zeit mit der Anbahnung. Ich gebe Pferd u. Mensch zunächst Gelegenheit sich gegenseitig kennen zu lernen. Autisten sind ja häufig sehr laut oder motorisch unruhig. Ich lese zum Anfang oft eine (Pferde)geschichte vor u. lasse das Kind auf einem Strohbund bei der Mutter sitzen. Dann kannst Du schon sehen ob es Angst hat oder Kontakt zum Pferd sucht u. daraus das weitere Vorgehen entwickeln (z.B. putzen, weiter beobachten, gemeinsam mit Kind u. Mutter spazieren gehen, auf dem Pferd sitzen). Zu beachten ist, dass alles neue, unbekannte oft Angst macht.
Ich hoffe, dass ich Dir ein wenig helfen konnte. Melde Dich doch, wie die Stunde gelaufen ist. Ich habe auch einen 7-jährigen autistischen Jungen, der sehr gute Fortschritte macht. Es laufen nicht alle Stunden supter toll, weil er oft völlig erschöpft von der Schule ist. Wir haben aber manchmal auch totale highlights dabei, die mich sehr berühren. Laß von Dir hören.
Gruß
Birgit :wink:


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BeitragVerfasst: 29. Nov 2006, 18:37:02 
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Ja, ich meld mich gern!!
Danke Dir, Du hilfst mir sehr.

Über das medizinische/sachliche Wissen hab ich mich in Büchern ein wenig schlau gemacht. Aber na ja... Bücher... weist eh. Ersetzen nicht das wahre Leben.

Habe bis jetzt geplant, dass ich mit den Styropor-Stangen der Halle ein nach einer Seite offenes Viereck am Rand der Halle auslege und dahinein einen Hocker stelle. Der wäre für den Jungen (und evt. dessen Mutter).
Sozusagen als optischer Schutzwall...
Die Halle ist sehr klein. Vielleicht 20 auf 15 m - höchstens.
Die Isidame lass ich einfach mit Halfter in der Halle und guck, was sie macht.
Dazu möchte ich gern ruhige Meditationsmusik.

Das ist bisher mein Plan. :roll: Und alles andere lass ich auf mich zukommen. Hab ja noch überhaupt keine Ahnung, ob der Junge überhaupt mit Pferd etwas zu tun haben möchte.

Danke Dir für Deinen Eintrag. Und vor allem, für Deine Offenheit. Es beruhigt mich sehr, dass Du bereits positive Erfahrungen machen konntest.

Alles Gute für Deinen Sohn und Dich!!!

LG Claudia

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BeitragVerfasst: 29. Nov 2006, 23:08:39 
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Hallo,

es gab letztens einen Fernsehbericht über Temple Grandin, einer Autistin, die inzwischen auch als Professorin lehrt. Sie beschreibt, dass sie sehr viele Ähnlichkeiten zwischen ihrem "autistischem denken, fühlen und wahrnehmen" und dem von Tieren sieht. Was natürlich umstritten ist, ist, dass sie ihr Wissen u.a. für "tierfreundlichere Gestaltung" von Schlachthöfen nutzt. Ich fand den Bericht über die Ähnlichkeiten jedenfalls sehr spannend, gibt Bücher von ihr, Auszüge da: http://www.grandin.com/inc/visual.thinking.html

Martina


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BeitragVerfasst: 30. Nov 2006, 21:02:13 
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:) Hallo Joey,
hört sich gut an Deine Idee! Zum Krankheitsbild kann ich Dir nur sagen, dass es so viele Erscheinungsformen wie Autisten gibt. Bei allen sind unterschiedliche Verhaltensbesonderheiten zu beobachten. Was bei allen Autisten, die ich bisher kennengelernt habe, gleich ist, ist die Unfähigkeit mit Überforderungssituationen klar zu kommen. Dann kommt es oft zu Wutausbrüchen oder aggressivem Verhalten, was aber bei meiner Arbeit mit Autisten und Pferden noch nie vorgekommen ist. Oft ist es so, dass Autisten, die keinen Körperkontakt zu anderen Mitmenschen aufnehmen, mit dem Pferd kuscheln und es streicheln. Ich weiß nicht so recht das passende Wort, aber die Einheiten sind manchmal sehr intensiv.
:lol: Der Junge ist übrigens nicht mein Sohn, sondern kommt zum Reiten zu mir.

Gruß
Birgit


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BeitragVerfasst: 01. Dez 2006, 20:49:44 
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Leider mußte mir der Bub absagen. Er hat die Grippe. Tat mir voll leid.
Aber hilft ja nix.

LG und danke für die Ratschläge! Beim nächsten Mal dann!! :wink: :D

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BeitragVerfasst: 21. Feb 2007, 14:17:03 
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Hallo. Ich arbeite im Rahmen meines Uni Praktikums mit zwei autistischen Jungen. Vom Vorgehen her würde ich die Stunde, wie oben schon erwähnt, kleinschrittig und ruhig gestalten. Natürlich hat jeder autistische Mensch andere Vorlieben oder Ängste, deswegen ist es wichtig spontan reagieren zu können, was gerade gut passt. So kann z.B. ruhige Musik in deinen Augen beruhigend wirken. Bei dem autistischen Junge könnte das aber auch starke Unruhe auslösen. Bei "meinem" autistischen Jungen ist es z.B. zu Anfang ganz zentral, dass er das Pferd begutachten kann, streicheln, anfassen etc. Wir holen ihn immer an der gleichen Stelle ab, damit die Situation für ihn vertraut wird. Je nach dem welche Stimmung er an dem Tag hat, gestalten wir die Stunde relativ spontan. Ich denke du wirst einfach in der Situation merken, wie die Stunde gestaltet werden kann, und mit Hilfe der Mutter wird es schon klappen :-) Wünsche dir viel Erfolg! Die Arbeit mit dem autistischen Jungen begeistert mich so sehr, dass ich sehr wahrscheinlich auch meine Diplomarbeit darüber schreiben werde :-)) Bye


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BeitragVerfasst: 22. Feb 2007, 13:16:14 
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Danke schön!

LG Claudia

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BeitragVerfasst: 08. Jun 2007, 11:45:47 
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Registriert: 08. Jun 2007, 11:29:28
Beiträge: 1
Hallo,

Ich bin der Meinung, man sollte immer auf seine Erfahrungen aus seinem Grundberuf zurückgreifen können. Wenn man über keine praktischen Erfahrungen mit einer gewissen Klientengruppe verfügt, sollte man als Reitpädagin/therapeutin auch im Sinne der Qualitätssicherung die Finger davon lassen oder vorher zumindest in einem anderen Setting ohne Pferd aber unter Anleitung mit den betreffenden Menschen arbeiten. Denn wie kann man pädagogisch wertvolle Arbeit leisten ohne Erfahrung mit der speziellen Thematik des Klienten zu haben?


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